Short Stories

Ehemalige stehen im Leben und berichten von ihrer Zeit nach dem Nelly.

Jana Theissen - Abitur 2016

Ich denke, es ist völlig normal, nicht zu wissen, was man nach der Schule machen möchte. Klar, die Leute, die schon mit 9 wussten, dass sie Medizin studieren wollten, die gab es immer. Aber ich war nie jemand von denen.

Schade eigentlich. Ich hätte gerne (früher) gewusst, wohin mein Weg gehen soll. Und um ehrlich zu sein, weiß ich es immer noch nicht zu 100%, aber das muss ich auch nicht. Nach meinem Abitur war mir schnell klar: ich will was Praktisches machen, und zwar sofort. Ich will nicht lernen müssen, wenn ich nach Hause komme, keine Hausaufgaben erledigen. Ich will einfach Erfahrungen sammeln, etwas Gutes tun, und arbeiten. Praktisch arbeiten, nicht theoretisch. Also machte ich ein freiwilliges soziales Jahr in einem Café für Behinderte und psychisch Kranke in der Neusser Innenstadt. 5 Tage die Woche à 8 Stunden.

Das war was anderes, als man es aus der Schulzeit gewohnt war. Aber es hat so gut getan. Es hat mir viel gegeben, von anderen, benachteiligten Menschen so viel positives Feedback zu bekommen. Ich habe gelernt, das Leben und seine Gesundheit, seine Möglichkeiten und sein Glück zu schätzen, weil ich während meiner Zeit dort so viele Menschen kennengelernt habe, denen es schlecht ging, die all diese Möglichkeiten nicht hatten. Nach meinem Jahr im Café wusste ich, ich will raus aus Neuss, raus aus der Kleinstadt, rein in die Großstadt. Köln habe ich schon immer geliebt, also fiel die Wahl recht leicht. Nach 32018 Anschreiben und 8239 Wohnungsbesichtigungen hatte ich das Glück, eine 25 Quadratmeter große (oder kleine?) Wohnung in Köln-Ehrenfeld zu bekommen, und meinem anstehenden Studentenleben stand nun nichts mehr bevor. Ich fing an, mich an der Uni Köln einzuschreiben, hatte aber keine Ahnung, was ich studieren will.

Nach 2 Wochen wurde mir klar, dass reine, theoretische Erziehungswissenschaften nichts für mich sind. Eigentlich wollte ich nur mal Uniluft schnuppern. Und das habe ich ja auch. Nach langem Hin- und Herüberlegen habe mich dann für ein Praktikum im Influencer Marketing entschieden. Dadurch habe ich meine jetzige Chefin zufällig kennengelernt, bei ihr ein zweites Praktikum gemacht, wurde übernommen, und heute arbeite ich dort neben meinem Studium. Nach meinem zweiten Praktikum habe ich mich dafür entschieden, Media and Marketing Management an der Rheinischen Fachhochschule Köln zu studieren.

Ja, irgendwas mit Medien, das will ja heutzutage jeder. Aber ich bin wirklich begeistert von dem Studium. Es ist eine ganz andere Nummer als an der Uni Köln, wir sind eine kleine Gruppe, können trotzdem kommen und gehen, wann wir wollen, arbeiten eigenverantwortlich, und können in ganz verschiedene Bereiche rein schauen. Ich bin erst im zweiten Semester, aber ich weiß schon, wie man Buch führt, was die Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre und der Volkswirtschaftslehre sind, wie man ein Projekt plant und führt, wie man Personal im Unternehmen möglichst effizient einsetzt, was man alles zu beachten hat, bevor man eine Investition tätigt, ich weiß aber auch, wie man mit Greenscreen arbeitet, und habe sogar schon ein eigenes Logo für mich entworfen. Und noch so viel mehr.

Meine Theorie aus der Uni kann ich direkt im Beruf anwenden, und dadurch ordentlich Erfahrung sammeln. Ich darf viel unterwegs sein, ich war schon auf der Fashion Week in Berlin, hab mehrere Events in Köln mit geplant und durchgeführt, war schon an der Ostsee, in Wien, und wenn alles gut läuft, im September auch noch in New York. Durch die Arbeit auf den Events spare ich mir Geld an, um nach dem Studium endlich „richtig“ reisen zu können. Welt, ich komme! Und ich freue mich so auf alles, was kommt und was ich erleben darf. Genießt eure Zeit. Genießt alles. Thanks for having me.

Eure Janna

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