Short Stories

Ehemalige stehen im Leben und berichten von ihrer Zeit nach dem Nelly.

Tim Vossen - Abitur 2017

07.04.2017 - mein letzter offizieller Schultag und gleichzeitig der Tag auf den ich jahrelang hinfieberte. Versteht mich nicht falsch, ich hatte eine durchaus schöne Schulzeit aber ich war zum Ende hin unglaublich gelangweilt von der jahrelangen Routine und von Fächern, die sich für mich sehr realitätsfremd anfühlten.

Für mich stand deshalb fest: Ich brauche eine Pause vom Lernen, vom Leistungsdruck und ich wollte etwas machen was absolut nichts mit meinem bisherigen Leben zu tun hatte. Noch zu Schulzeiten entschied ich mich dafür einen Bundesfreiwilligendienst im September 2017 zu starten. Meine Einsatzstelle, in der ich ein Jahr lang jeden Tag verbrachte war die Bahnhofsmission im Düsseldorfer Hauptbahnhof. Die Bahnhofsmission ist eine soziale Einrichtung, die es an jedem größeren Bahnhof in Deutschland gibt. Die Besucher sind hauptsächlich Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen: Obdachlose, Drogenabhängige oder psychisch Erkrankte.

Meine Aufgaben dort waren Tee und Kaffee kostenlos ausgeben, Umstiegshilfen für blinde, behinderte oder ältere Menschen leisten, im und um Bahnhof herum nach Hilfsbedürftigen Ausschau halten und allgemein gibt es eigentlich kein Problem, das die Bahnhofsmission nicht versucht zu lösen. Zusammenfassend war es eine extrem prägende Zeit, ich erlebte viele schöne Momente in denen Menschen dankbar waren für unsere Arbeit oder Momente in denen mir Menschen soviel Vertrauen schenkten, dass sie mir erzählten wie sie auf der Straße gelandet sind. Doch genauso gab es auch unschöne und schockierende Erlebnisse, in denen ich mitbekam wie Menschen mitten in unserer Gesellschaft wortwörtlich verwahrlosten oder ihr Leben durch Drogenkonsum gegen die Wand gefahren haben und letztlich auch daran starben. Die Zeit in der Bahnhofsmission hat mich selbstbewusster gemacht, ich konnte meine Persönlichkeit weiterentwickeln und ein netter Nebeneffekt ist, dass es bei Bewerbungen stets positiv aufgenommen wurde, dass ich einen Freiwilligendienst geleistet habe.

Auch wenn im Juli 2018 meine Zeit als Freiwilliger offiziell endete bin immer noch ab und zu ehrenamtlich in der Bahnhofsmission aktiv, ihr könnt mich gerne mal besuchen kommen. :D Mein Umfeld war nicht besonders begeistert von meiner Tätigkeit, meine Eltern machten sich Sorgen dass es gefährlich sein könnte. Ich kann dazu nur sagen: Drogenabhängig/Obdachlos ≠ schlechter Mensch. Für mich persönlich war es die beste Entscheidung nach dem Abitur, einfach mal in eine ganz andere Realität einzutauchen als das behütete Schulleben. Und genau dasselbe würde ich auch jedem empfehlen, der sich noch nicht ganz sicher ist, wo es nach dem Abitur hingehen soll. Als sich mein Freiwilligendienst zum Ende neigte, musste ich mir überlegen wie es danach weitergehen sollte, einen sozialen Beruf wollte ich jedenfalls nicht hauptberuflich ergreifen.

Ich habe mir eine Menge Zeit genommen um darüber nachzudenken was mich wirklich interessiert, und das ist auch mein Rat an euch: lasst euch Zeit und lasst euch vorallem nicht von eurem Umfeld negativ beeinflussen wenn es um eure Zukunft geht. Ein Thema was mich schon immer sehr fasziniert hat, war das Thema Reisen. Ich entschloss mich eine Ausbildung zu suchen, die dazu passt - so kam es, dass ich seit dem 01. August 2018 eine Ausbildung mache zum Tourismuskaufmann bei einem großen deutschen Reiseveranstalter - ohne mein X sage ich nichts. ;) Die Ausbildung ist extrem vielseitig, ich wechsele alle 3 Monate die Abteilung. Von Dienstreisen in Urlaubsgebiete, persönlichen Kundenkontakt, Teilnahme an Castings für angehende Animateure & Reiseleiter, Einsatz in der Marketing-Abteilung bis zum Flug- und Hoteleinkauf für die kommende Saison ist alles dabei.

Ich bin extrem glücklich mit der Ausbildung und fühle mich in der Tourismus-Branche, als wäre ich da wo ich hingehöre. :) Dasselbe wünsche ich euch, dass ihr das gefunden habt oder finden werdet, was euch wirklich interessiert und euch Spaß macht im Leben.

Euer Tim

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