Short Stories

Ehemalige stehen im Leben und berichten von ihrer Zeit nach dem Nelly.

Lisa Maier-Bode - Abitur 2013

Es ist jetzt schon fünfeinhalb Jahre her, dass ich am Nelly mein Abitur gemacht habe. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen. Die Mottowoche, der letzte Schultag, die Klausuren, die Zeugnisvergabe und der Abiball – das habe ich alles noch sehr intensiv in Erinnerung.

Und wenn ich jetzt daran denke, wie wir uns damals nach dem Abi-Gag im Forum in den Armen lagen, könnte ich noch heute ein paar Tränen verdrücken. Wir fiebern jahrelang dem Tag entgegen, an dem wir mit der Schule fertig sind und endlich in die „große, weite Welt“ entlassen werden. Aber wenn dieser Tag dann da ist, merken wir, dass die letzten Jahre und vor allem die Zeit in der Oberstufe eigentlich ganz schön cool waren. Und dass die große und weite Welt, von der wir alle geträumt haben, ziemlich einschüchternd sein kann. So war das jedenfalls bei mir... In den letzten fünfeinhalb Jahren ist viel passiert – Zuhause ausziehen, die erste eigene Wohnung, eine neue Stadt, so viele neue Menschen, der Beginn eines Studiums. Und plötzlich weiß man dann, was es wirklich heißt, erwachsen zu sein.

Ich habe nach dem Abi, wie alle meine Mitschülerinnen und Mitschüler auch, lange darüber nachgedacht, wohin mich meine Reise führen soll und dabei eigentlich doch immer ein Ziel vor Augen gehabt: ich wollte unbedingt Journalistin werden. Ich habe es immer schon geliebt, Texte zu schreiben und mich schnell dazu entschieden, diese Leidenschaft von mir zu einem Beruf machen zu wollen. Nur: wie?! In Deutschland gibt es wenige Universitäten, die einen Studiengang in Journalistik anbieten und außerdem hatte ich vorher oft gehört, dass man besser etwas fachfremdes studiert und dann über andere Wege zu den Medien kommt. Also habe ich mich schließlich für Fächer in der Uni eingeschrieben, für die ich mich wirklich interessiere: Geschichte und Germanistik. Ich habe es keine Sekunde bereut.

Das Studium hat mir sehr großen Spaß gemacht. Auch wenn viele meine Entscheidung nicht nachvollziehen konnten. Die erste Frage, die mir IMMER gestellt wurde: „Aber du studierst auf Lehramt, oder?“ Wenn ich das verneinte, dann waren die Menschen meist verwirrt und voller Unverständnis. Wie konnte ich es wagen, mit einem guten Abitur eine Sprache und eine Geisteswissenschaft NICHT auf Lehramt zu studieren, etwas so „unsicheres“, mit dem man dann – ganz klischeemäßig – eh nur als Taxifahrerin enden würde?! Leider werden Studierende der Geisteswissenschaften in Deutschland nicht wirklich ernst genommen, sondern immer eher belächelt. Was ich sehr schade finde. Ich habe das nie an mich rankommen lassen, weil ich ja immer ganz genau wusste, wo ich damit hinwill. Bei meinen Praktika beim Fernsehen und bei der Zeitung, die ich während meines Studiums machte, wurde ich nie komisch angeguckt, wenn ich erzählte, was ich studiere.

Kein Wunder – meine Vorgesetzten dort und sehr viele Personen, die in der Medienbranche weit oben sind, haben ähnliche oder dieselben Studiengänge absolviert. Ich habe letztes Jahr meine Bachelorarbeit geschrieben und jetzt meinen zweiten Abschluss nach dem Abitur in der Tasche. Zurzeit arbeite ich als freie Mitarbeiterin bei der Zeitung und beim Radio und bewerbe mich gerade für Volontariate im journalistischen Bereich und an Journalistenschulen. Gleichzeitig schreibe ich einen Blog mit meiner besten Freundin, der uns beiden sehr viel Spaß macht. Ich bin glücklich, jetzt zu sein, wo ich bin und froh, in den letzten fünfeinhalb Jahren so viele neue Erfahrungen gesammelt zu haben. Erfahrungen, von denen ich in meiner Abi-Zeit vermutlich nicht mal zu träumen gewagt hätte.

Trotzdem bin ich jedes Mal, wenn ich in Neuss bin und zufällig am Nelly vorbeifahre, ganz wehmütig, wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke und mich frage, wie es den Lehrerinnen und Lehrern so geht und was sich am Nelly wohl alles verändert hat. Und auch wenn meine Stufe mittlerweile in ganz Deutschland und der Welt verstreut lebt und alle so viel Neues erlebt haben in den letzten Jahren... ich bin mir sicher: würden wir morgen alle zum Nelly fahren und wieder zur Schule gehen, es wäre genau wie früher!

Eure Lisa

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