I. Schulische Bildung in der digitalen Gesellschaft
Die kompetente und mündige Verwendung digitaler Medien und digitaler Werkzeuge ist zu einer Schlüsselkompetenz
der modernen, sich mit großer Dynamik entwickelnden Gesellschaft geworden. Medienkompetenz eröffnet
jungen Menschen wichtige Bildungschancen sowie die Möglichkeit zur privaten und beruflichen Teilhabe an
der digitalen Gesellschaft.
Diese Tatsache macht Medienkompetenz auch zu einem zentralen Baustein schulischer Bildung. Der selbstverständliche
Umgang mit digitalen Medien in der Schule, das Lernen mit und über digitale Medien wird zum unabdingbaren
Bestandteil einer zeitgemäßen Lernkultur und bietet Schulen die Möglichkeit, ihren Unterricht vielfältiger,
individueller und aktivierender zu gestalten. Die Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung im positiven
Sinne unterrichts- und bildungswirksam zu gestalten, stellen allerdings eine große Herausforderung für jede Schule
dar.
Theoretischer Bezugsrahmen
Es gibt derzeit eine Vielzahl unterschiedlicher Konzepte und Modelle, die eine Orientierung in Bezug auf die zu
erwerbenden Kompetenzen ermöglichen wollen. Hilfreich erscheinen vor allem Konzepte, die den Begriff der Medienkompetenz nicht auf die digitalen Medien und auf technische Fertigkeiten wie den Umgang mit Geräten und
Software verkürzen, sondern von dem Bild eines selbstbestimmt handelnden und durch sein Handeln die gesellschaftliche
Entwicklung mitgestaltenden Menschen ausgehen.
Medienkompetenzbegriff nach Baake1
Der von Baake geprägte Begriff der Medienkompetenz (siehe Abbildung) bietet hierfür eine gute Grundlage
Medienkritik bedeutet, Medienwissen kontinuierlich zu reflektieren und zu erweitern, um Medienentwicklungen kritisch und differenziert beurteilen zu können. Dabei steht nicht nur die Analyse von Medien im Vordergrund, sondern auch die kritische Reflexion des eigenen Medienhandelns. Diese Reflexion soll zudem unter dem Aspekt sozialer Verantwortung erfolgen und verleiht der Medienkritik eine ethische Dimension.
Die Medienkunde umfasst Wissen über aktuelle Medien und Mediensysteme. Dazu gehören Kenntnisse über Medienstrukturen, Medienangebote sowie Arbeitsweisen von Medienschaffenden wie Journalisten, Bloggern oder Influencern. Ergänzend sind technische und instrumentelle Fähigkeiten notwendig, um Mediengeräte und Software sachgerecht bedienen zu können.
Die Mediennutzung beinhaltet sowohl die bewusste Rezeption von Medienangeboten als auch interaktives Handeln.
Neben der reflektierten Wahrnehmung von Medienwirkungen steht die aktive Nutzung im Mittelpunkt, etwa durch das Erstellen eigener Inhalte, den Austausch auf Plattformen oder die Teilnahme an sozialen Netzwerken.
Ziel ist eine selbstbestimmte und souveräne Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen.
Mediengestaltung beschreibt das Bewusstsein, dass Mediennutzung stets auch Einfluss auf die Weiterentwicklung von Medien hat. Obwohl gestalterische Kompetenzen in der Schule oft nur exemplarisch vermittelt werden können, sollen Lernende für die Auswirkungen ihres Medienhandelns sensibilisiert werden. Gleichzeitig sollen kreative Möglichkeiten der Mediengestaltung aufgezeigt und gefördert werden.

Abb 1: Medienkompetenz nach Baake (1997)
Das 4K-Modell2
Aufbauend auf den Überlegungen Baakes werden in neuerer Zeit unter den vier Begriffen Kreativität, Kritisches Denken, Kollaboration und Kommunikation Überlegungen zu den in einer zunehmend digitalisierten und globalisierten Welt erforderlichen Kompetenzen diskutiert. Dabei geht es um Aspekte, die über das zunächst naheliegende Alltagsverständnis dieser Begriffe hinausgehen:
Kreativität meint vor allem die Fähigkeit, neue Wege zu erproben, neue eigene Lösungsansätze zu entwickeln, selbstständig auch außerhalb vorgefertigter Bahnen zu denken.
Kritisches Denken meint insbesondere die Fähigkeit selbstständig zu denken, vorgegebene oder vermeintlich einfache Lösungen infrage zu stellen.
Kollaboration meint insbesondere die Offenheit für die Zusammenarbeit mit anderen, das Sich-Einlassen auf ergebnisoffene Prozesse und den Mut, eigene Ideen einzubringen.
Kommunikation meint die Fähigkeit, eigene Überlegungen mitteilen zu können, sie anderen verständlich machen zu können und sich dem offenen Austausch darüber stellen zu können (und zu wollen).

Abb 2: Das 4K-Modell
Hilbert Meyers Gedanken zu einer didaktisch fundierten digitalen Unterrichtsentwicklung3
Ergänzt wird der theoretische Bezugsrahmen durch Hilbert Meyers bildungstheoretische Perspektive. Meyer setzt Medienmündigkeit als oberstes Ziel: Digitale Bildung bedeutet nicht nur technisches Know-how, sondern auch Informationskritik, reflexive Distanz, ethisch verantwortliches Handeln und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen.
Die Qualität digitalen Unterrichts wird entlang dreier Dimensionen beurteilt: Strukturqualität (verlässliche Infrastruktur, Administration, Fortbildung), Prozessqualität (klar strukturierter, aktivierender Unterricht mit Methodentiefe und tragfähigem Arbeitsbündnis) und Ergebnisqualität (sichtbare Teilkompetenzen als Ausdruck von Medienmündigkeit).
Digitale Medien entfalten ihr didaktisches Potenzial, wenn sie Individualisierung, Selbstregulation, Kooperation und Feedback stärken und über reine Substitution hinaus zu veränderten und neu definierten Lernformaten führen (entsprechend des SAMR-Models von Puentedura4). Zugleich fordert Meyer Maßnahmen zur Förderung von Mündigkeit: Lehrkräfte als Vorbilder im lernenden Umgang mit Medien, verbindliche ethische Spielregeln, kritische Quellenarbeit (z.B. Fake News) sowie regelmäßige Reflexionsschleifen zur eigenen Mediennutzung.
Mit Blick auf Bildungsgerechtigkeit betont er gezielte Unterstützung für Lernende aus benachteiligten Kontexten. Denn empirische Befunde mahnen, dass Effekte digitaler Medien nicht automatisch hoch sind; entscheidend bleibt die pädagogische Qualität.
Meyers zwölf Prüfsteine bieten hierfür einen Orientierungsrahmen auf Schüler-, Lehrer- und Schulebene (u.a. Aktivierung,
Selbstregulation, Sinnkommunikation, Umgang mit Heterogenität, Kooperation, Nachhaltigkeit) und sichern,
dass Digitalisierung konsequent an Mündigkeit, Solidarität und demokratischer Teilhabe ausgerichtet wird.
1.2 Konzeptioneller Bezugsrahmen
Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im Dezember 2016 das Strategiepapier Bildung in der digitalen Welt erarbeitet.
In ihm verständigen sich alle Bundesländer auf ein gemeinsames Konzept zur Medienbildung und verpflichten sich, dafür Sorge zu tragen, dass alle Schülerinnen und Schüler, die ab dem Schuljahr 2018/19 in die Grundschule oder in die Klasse 5 einer weiterführenden Schule eintreten, bis zum Ende ihrer Pflichtschulzeit die im Strategiepapier formulierten Kompetenzen erworben haben.
Auf der Basis der Kultusminister-Strategie wurde vom Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW der sogenannte Medienkompetenzrahmen entwickelt. Er bietet einen in sechs Kompetenzbereiche aufgefächerten Anforderungskatalog für alle in der Schule zu fördernden Medien-Teilkompetenzen und liefert so für alle Schulen in NRW die verbindliche Grundlage zur Entwicklung schuleigener Medienkonzepte.
Das 2022 veröffentlichte Impulspapier II des Ministeriums für Schule und Bildung NRW beschreibt, wie Schule
und Unterricht im digitalen Wandel pädagogisch sinnvoll weiterentwickelt werden sollen. Es versteht Digitalisierung nicht als technische Ausstattung, sondern als Schulentwicklungsprozess, der Persönlichkeitsbildung, selbstständiges Lernen, Urteilsfähigkeit und demokratische Teilhabe stärkt.
Das Papier gibt Schulen Orientierung, wie Medienbildung nachhaltig, reflektiert und im Einklang mit dem Schulprogramm
umgesetzt werden kann.
Das vorliegende Medienkonzept des Nelly-Sachs-Gymnasiums wurde und wird auf der Basis des für NRW gültigen
Medienkompetenzrahmens sowie unter Berücksichtigung des Impulspapier II entwickelt. Es greift die grundlegenden
Fragen der Medienkompetenz sowie des lernfördernden Einsatzes von modernen Informations- und Kommunikationstechniken
auf. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Medienkompetenzförderung und Medienbildung
systematisch, auf alle Fächer verteilt und entlang der gesamten Schuljahre der Lernenden erfolgt.
Zudem ist gewährleistet, dass alle Lehrkräfte sowie Lernende und deren Erziehungsberechtigte jederzeit Transparenz
hinsichtlich der am Nelly vereinbarten Bildungsanforderungen erhalten können.
